Letztens ist mir ja wieder einmal etwas passiert. Ich torkel halbbetrunken durch Rom und urplötzlich fahren weder Bahn noch Bus, es war ganz einfach zu spät. Zwar habe ich mir im Zuge meines Geschichtsstudiums fest vorgenommen, Italienisch zu lernen, bis dahin konnte ich aber nicht viel sagen außer Pasta und Cappuccino. Hätte ich damals bereits gewusst, dass es – wie könnte es anders sein – digitale Sprachführer als App auf dem Smartphone gibt, hätte mir dies womöglich geholfen. Deswegen habe ich mir einmal die Mühe gemacht, einige Sprachführer-Apps für das Smartphone etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Sprachführer-Apps? Brauch ich das?

Jop, dat brauchste. Es sei denn natürlich, du bist ein Sprachgenie oder beherrscht die Sprache des Landes, in dem du dich aufhältst, perfekt. Doch dies dürfte nur in seltenen Fällen gegeben sein. Sprachführer werden die meisten als herkömmliches Buch kennen. Doch da analog ja nicht mehr in und vor allen Dingen sehr schwer ist, greift man zur luftig-leichten Digitalvariante: dem digitalen Sprachführer für das Smartphone.

Doch das Gewicht ist natürlich nicht der einzige Grund, weswegen die Sprachführer-App auf dem mobilen Telefon sinnvoll ist. Um das zu verstehen, möchte ich einmal kurz den typischen Aufbau eines Sprachführers veranschaulichen:

  • Vorne im Buch sind Informationen zur Lautschrift und etwaigen Besonderheiten in der Landessprache zu finden. Meist finden sich hier auch Hinweise zu gängigen Abkürzungen.
  • Im Mittelteil findet sich ein Sammelsurium an Phrasen und Sätzen, die in typischen Alltagssituationen gebräuchlich sein könnten à la “Ey, Mann, wo is’ mein Auto?”.
  • Im Schlussteil ist meist ein kurzes und auf die wichtigsten Begriffe reduziertes Fremdwörterbuch angeheftet.

Gewiss zu den bekanntesten Sprachführern zählen die “Kauderwelsch”-Bände, von denen es gefühlt unendlich viele gibt, was mir durchaus gerechtfertigt erscheint bei kolportierten 6.500 Sprachen, die derzeit auf unserem Globus gesprochen werden. Doch natürlich kann man nicht alle Bände bei sich führen. Und ebenso wenig ist es spaßig und sinnig, in jeder Situation blättern und suchen zu müssen. All dies möchte ich, der eigentlich ein Befürworter des klassischen Buches ist, anführen, um Überzeugungsarbeit zu leisten, weswegen ihr es, wie ich auch, durchaus einmal mit einem digitalen Sprachführer auf Reisen versuchen solltet.

Kostenpflichtige und kostenlose Sprachführer-Apps im Google Play Store

Ja, leider besitze ich nur ein Android-Telefon von Samsung und musste meine Auswahl daher auf den Google Play Store beschränken. Ich gehe jetz aber erstmal davon aus, dass die Unterschiede bei den Sprach-Apps für Reisen auch bei iOS nicht sonderlich unterschiedlich sein werden. Zumindest sind alle der folgenden Apps auch für iOS verfügbar.

Insgesamt habe ich mir die Mühe gemacht, sechs unterschiedliche Sprachführer-Apps zu testen. Dabei ging es mir erst einmal um den klassischen Übersetzungsweg von Deutsch zu Englisch und wieder zurück. Zu den getesteten Reiseführer-Apps zählen:

  • Apps L für die Reise von Langenscheidt
  • iSayHello (Admovi)
  • Phrasebox von Planet in Pocket
  • Phrasepack von L-Lingo
  • Weltübersetzer von Jourist

Darüber hinaus habe ich auch noch die App “Speak English” heruntergeladen, die im Gegensatz zu den anderen Apps allerdings kostenlos verfügbar ist, von der es aber ebenfalls eine kostenpflichtige Variante gibt. Grundsätzlich lassen sich die Sprachführer-Apps von Jourist, Langenscheidt, L-Lingo und Planet in Pocket in einer kostenlosen Testversion installieren, um sich mit der Bedienung und dem Gesamtkonzept vertraut zu machen. Sofern ihr meinem Urteil also nicht traut, schaut selbst einmal in die jeweilige Sprachführer-App rein.

Bevor ich jedoch erläutere, wie ich was getestet habe, sei noch erwähnt, dass alle digitalen Reiseführer bis auf Phrasepack und iSayHello In-App-Käufe anbieten, d.h. über einen Button lassen sich die gewünschten Sprachen hinzufügen. Lediglich die Langenscheidt-App kommt mit einem Paket daher, das sechs Sprachen umfasst. Französisch, italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch und natürlich Englisch sind mit an Bord.

Insgesamt muss – die kostenlose Reiseführer-App außenvor gelassen – zwischen 1-9 Euro für eine App gezahlt werden, jeweils abhängig vom Anbieter und dem gewünschten Umfang sowie ob die Basis- oder Pro-Version erworben wird. Doch darüber könnt ihr euch in der Übersicht am Ende dieses Testberichts nochmals einen Überblick verschaffen.

So habe ich die Sprachführer-Apps getestet: Bedienung

Natürlich kann ich euch vieles erzählen. Glauben müsst ihr mir dann noch lange nicht. Deswegen möchte ich euch etwas näher erläutern, welche Kriterien mir in diesem Test wichtig waren und worauf ich dabei im Detail geachtet habe.

Dass hier vor allen Dingen die Audioqualität und Bedienung wichtig waren, dürfte klar sein. Denn möchte man den Vorteil nutzen, sich nicht unendlich lange durch Seiten Blättern und lesen zu müssen, bedeutet dies in der Folge, dass die Sprachführer-App möglichst schnell Suchergebnisse anzeigen muss – und man auch schnell den gewünschten Eintrag finden sollte. Wohl auch deswegen sind alle Apps nach dem Karteikastenprinzip aufgebaut. Bloß dass die “Karteikarten” nicht alphabetisch, sondern thematisch nach Begriffsfeldern strukturiert und geordnet sind.

Das Problem bei fast allen Apps war, dass man zwar schnell eine Kategorie finden konnte, es fehlten jedoch Unterkategorien, die etwas mehr Struktur in die Sache brächten. Denn wenn ich mich noch durch teilweise über 55 Karteikarten wühlen muss, dann ist dies ebenso aufwendig wie bei einem herkömmlichen Sprachführer im analogen Format. Besonders bei Phrasebox und Speak Englisch war dies ein Problem.

Positiv stach in diesem Punkt Phrasepack hervor. Diese Sprachführer-App arbeitet mit einer Art Baukasten-Modell. Hier können einzelne Sätze in den jeweiligen Kategorien angewählt werden, die dann Lücken lassen, in die verschiedene Satzglieder eingefügt werden können. Dies sieht dann beispielsweise so aus:
Phrasepack
Praktisch ist bei dieser App ebenfalls, dass auf dem Startbildschirm gleich die wichtigsten Kategorien zu finden sind, zu denen – zumindest meiner Meinung nach – “Essen und Trinken” oder “Notfall” oder “Hotel” zählen. Letztere findet sich bei Speak English zum Beispiel erst an 29. Stelle.

Allerdings ließe sich hier anführen, dass die meisten Nutzer wahrscheinlich direkt zur Suchfunktion greifen werden. Glücklicherweise haben alle Sprachführer-Apps bis auf iSayHello eine Suchfunktion in petto. Aber, wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch hier Unterschiede in puncto Qualität der Suchergebnisse.

Zum Beispiel liefern einige Apps wie Phrasepack auch während des Tippens schon Suchergebnisse. Dafür gibt es dann anderswo Hürden: Wer beispielsweise “reservieren” eingibt und auf Treffer aus der Kategorie “Hotel” hofft, wird mit keinen Suchergebnissen belohnt. Beim Wort “Reservierung” wiederum landet man am gewünschten Ziel. Dies hätte durchaus etwas besser gelöst werden können.

Bei der Suchfunktion stechen zuvörderst L für die Reise und Speak Englisch hervor. Bei diesen Sprachführer-Apps werden nebst Suchergebnissen auch gleich thematisch verwandte Kategorien angezeigt.

So habe ich die Reiseführer-Apps getestet: Sprachfunktion

Es liegt ja auf der Hand, wenn man schon einmal ein Smartphone als Hilfsmittel besitzt, dieses auch für die Sprachausgabe einzusetzen. Glücklicherweise war es bei allen getesteten Reiseführer-Apps möglich, die Sprachfunktion zu aktivieren und übersetzte Sätze und Phrasen durch das Telefon aufsagen zu lassen. Dies klappte bei allen Apps sehr gut. Besonders erfreulich: Alle Reiseführer für das Smartphone verzichteten auf synthetische Computerstimmen. Alle Sätze wurden von einer menschlichen Person eingesprochen.

Konsequenterweise ergibt es ebenfalls Sinn, die Sprachführer-App auch bidirektional nutzen zu können. Denn sich verständlich zu machen ist wichtig, doch auch die andere Richtung, also von der Fremdsprache in die eigene Sprache zu übersetzen, kann in manchen Situationen vonnöten sein. Phrasebox, Speak English und Weltübersetzer bieten dies automatisch an, bei iSayHello muss diese Funktion manuell aktiviert werden. Die anderen Reiseführer-Apps verzichten leider auf dieses hilfreiche Feature.

Und gerade deswegen kann es sinnvoll sein, sich bereits vor dem Urlaub etwas mit der Fremdsprache vertraut zu machen. Zu diesem Zweck bieten alle Apps einen Sprachkurs an, den man sich allerdings eigenständig zusammenstellen muss bzw. darf. Denn so lässt sich der Lernstoff den individuellen Bedürfnissen anpassen. Bei den Reiseführer-Apps Phrasebox und Speak English ist dies auf besonders einfachem Wege möglich. Hier muss neben den Sätzen einfach das Stern-Symbol angeklickt werden und die jeweiligen Phrasen werden der persönlichen Lern-Bibliothek hinzugefügt.

Sprachführer-Apps im Test: die Rangliste

  • Platz 1: Weltübersetzer – 3 / 5 €
    Die jourist-App hat insgesamt 34 Sprachen im Angebot und damit mit Abstand die meisten aller getesteten Reiseführer-Apps. Positiv sticht hier auch hervor, dass die App beispielsweise im Spanischen zwischen dem lateinamerikanischen und katalanischen Spanisch unterscheidet. Die jeweiligen Sprachen können über In-App-Käufe hinzugefügt werden. Obendrein werden bei Weltübersetzer zu jedem Satz themenverwandte Wörter angezeigt und von Illustrationen begleitet, die wohl den Lernerfolg steigern sollen. Passende Lautschrift und Sprachausgabe sind natürlich ebenfalls mit dabei, ebenso wie der angesprochene Karteikartenmodus und eine Vollbildfunktion. Besonders derjenige, der mit der Reiseführer-App lernen möchte, kommt mit Weltübersetzer auf seine Kosten.
  • Platz 2: Phrasepack – 4,90 €
    Erstmal das Negative: Wer mehrere Sprachen benötigt, der muss für jede Sprache eine Extra-App herunterladen. In der Praxis sollte dies aber wenig hinderlich sein. Dafür stehen dann aber auch ganz ausgefallene Sprachen wie Cebuano zur Auswahl. Phrasepack stimmt die Sätze sogar auf das Geschlecht ab, was in einigen Sprachen durchaus relevant ist. Zudem ist die Struktur sehr intelligent gestaltet, eine Suchfunktion hilft im Notfall weiter. Als einzge Reiseführer-App punktet Phrasepack mit einem Satzbaukasten. Und sogar eigene Sätze können in die Datenbank aufgenommen werden – und dies mit Vertonung!
  • Platz 3: Phrasebox – 2,10 / 7,50 €
    Beim Phrasebox-Sprachführer können alle Sprachen einzeln installiert werden. Dies düfte erfreulich sein, weil es Speicherplatz auf dem Smartphone spart, der ja meist für Urlaubsbilder benötigt wird. Auf der Themenseite werden Haupt- sowie Nebenkantegorien aufgelistet, dies ist nicht immer übersichtlich, weswegen man besser die Suchfunktion nutzt. Das große Plus bei Phrasebox liegt in der Audioausgabe. Hier lässt sich einstellen, ob die Pausen zwischen den Sätzen verlängert werden sollen. Dies ist wichtig, falls man die Sätze nachsprechen und die Reiseführer-App als Sprachkurs-App verwenden will.
  • Platz 4: Speak English – kostenlos
    Der große Vorteil von Speak English liegt bei den Kosten. Denn diese Reiseführer-App gibt es als einzige zum Nulltarif. Dafür muss man sich aber mit teils sehr lästiger Werbung herumschlagen. Allerdings gilt dies nur im Online-Modus, wer die Verbindung zum Netz unterbricht, sieht auch keine Werbung mehr! Leider bietet Speak English, wie der Name bereits vermuten lässt, nur die Übersetzung von Deutsch zu Englisch an. Von da aus können zwar weitere 28 Sprachen angewählt werden, die Übersetzung ins Englische lässt sich als Zwischenschritt aber nicht umgehen. Etwas nervig ist das schon. Auch bei Speak English ist es aufgrund des nicht immer übersichtlichen Menüs sinnvoll, die Suchfunktion zu verwenden. Hier werden einem dann gar verwandte Kategorien zu Suchbegriffen vorgeschlagen.
  • Platz 5: L für die Reise – 3 / 9 €
    Aufgrund der bekannten Marke ging die Sprachführer-App von Langenscheidt mit vielen Vorschusslorbeeren ins Rennen. Am Ende wurde ich aber enttäuscht. Positiv stellten sich zwar die einfache Bedienung sowie das Container-Prinzip heraus – jede Sprache kann über die App auf Wunsch hinzugefügt werden -, dafür fehlt aber die bidirektionale Suche, die aber entscheidend ist. Auch die Suchfunktion führt leider sehr häufig nicht zu den gewünschten Ergebnissen, da die App allem Anschein nach nicht auf ähnliche Begriffe zurückgreift. Auch die mitgelieferten Illustrationen, die eigentlich das Lernen unterstützen sollen, sind nicht immer einleuchtend und erschweren hin und wieder die Nutzung der App. Dafür gibt es aber einige Tipps zum Thema Verhalten sowie ein klassisches Wörterbuch obendrauf. Bei Letzterem muss man aber leider ohne Vertonung auskommen.
  • Platz 6: iSayHello – 1 / 4 €
    iSayHello ist leider mit Abstand die schlechteste App im Test gewesen. Diesen Platz sichert sich die Reiseführer-App vor allem, weil sie keine Suchfunktion mitbringt, was zur Folge hat, dass man sich jedes Mal durch alle Kategorien wühlen muss, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Da kann ich dann ja auch ein Buch nehmen. Zudem gibt es auch keine Lautschrift, eine Vollbildansicht fehlt ebenfalls. Und auch die mitunter graue Schrift lässt sich auf dem Smartphone nicht immer wirklich gut ablesen. Mit dabei ist aber ein Online-Übersetzer, der auf Google Translate basiert. Leider ist darauf aber nicht immer Verlass. Offline ist aber natürlich der gesamte Sprachführer zu verwenden. Hier punktet die Sprachausgabe, die nämlich nicht nur die Übersetzung, sondern auch den Ausgangssatz aufsagt.

Fazit: Am Ende kommt es auf die Bedienung an

Am Ende sollte man sich nicht am Preis orientieren. Wenn Ihr auf der Suche nach einer Sprachführer-App für den Urlaub seid, machen Kosten in Höhe von 2 oder 9 Euro am Ende nicht viel aus, solange der Funktionsumfang stimmt. Und auch auf die Anzahl der Sätze und Phrasen kommt es nicht wirklich an, denn die wichtigsten und gängisten Ausdrücke, Aussagen und Fragen finden sich in allen Apps wieder.

Bedeutender sind da schon das Bedienkonzept und die bidirektionale Übersetzung. Auch eine Suchfunktion sollte mit an Bord sein. Und diese Funktionen bringen fast alle der getesteten Reiseführer-Apps mit. Am Ende müsst ihr aber auch deswegen selbst entscheiden, welche App die richtige für euren Urlaub ist.

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